Text Anna Kohli, 22gR
Beitragsbild Elisa Grundler, 22gQ
Im Rahmen eines Journalismus-Projekts haben Schülerinnen und Schüler der Klassen 22gR und 22gS Glossen zu einem Thema aus ihrer Lebenswelt geschrieben. Naturgemäss entstanden dabei auch zahlreiche Texte zu Themen aus dem Schulalltag. Besonders herausgestochen ist dabei der Text von Anna Kohli aus der 22gR, welcher völlig unverblümt über ihre Erlebnisse im Mathematikunterricht berichtet. Der Text bietet tiefe Einblicke in die Empfindungen einer Schülerin in einem Fach, welches ihr nicht liegt. Anna Kohli ist es gelungen, diese Emotionen textsortengerecht in einen witzigen, ironischen, aber durchaus auch (selbst-)kritischen Text zu verwandeln.
Jonas Übersax
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Selten mag jemand das Schulfach Mathematik. Verständlich, denn sobald man von der Unterstufe in die Mittelstufe kommt, fängt das ganze Problem an. Zu diesem Zeitpunkt verirren sich zum ersten Mal Buchstaben in die Menge an Zahlen. Aber das richtige Drama fängt erst am Gymnasium an. Da kriegt man einen Taschenrechner, für dessen Verständnis eigentlich ein eigenes Fach nötig wäre. Gibt es aber nicht. So ganz auf sich allein gestellt versucht man den Erklärungen des Lehrers zu folgen, aber bevor man die erste Gleichung überhaupt gefunden hat, ist dieser schon auf der nächsten Seite. Sobald man dann die erste Aufgabe, die es zu lösen gilt, liest, weiss man nicht, ob man weinen oder lachen soll. Egal, was man in den Rechner eintippt, es kommt sicher nicht das heraus was in den Lösungen steht. Auf der Suche nach dem Fehler begegnen einem Buchstaben, die gar nicht in der Aufgabenstellung zu finden sind, und der Gedanke, einfach Stripper zu werden, kommt hoch. Logisch, mag niemand Mathematik, wenn plötzlich mehr Buchstaben und komische Zeichen vorkommen anstelle von Zahlen. Aus dem Nichts steht der Lehrer vor einem und erklärt, was man falsch gemacht hat. Problematisch wird es dann, wenn man den Erklärungen nicht mehr folgen kann und nur noch nickt, um ihn möglichst schnell loszuwerden. Schlussendlich schreiben die meisten dann das Ergebnis aus der Lösung ab und reden sich ein, dass sie das auch so gemacht hätten. Dann, der Tag der Prüfung. Die Klasse sitzt vor ihren Test und 90 Prozent scheitern kurz nachdem sie ihren Namen geschrieben haben. Auch ich sitze ungläubig da und verstehe nicht, was gefragt ist. Also schaut man natürlich auf die Rückseite, vielleicht sind die Aufgaben dort einfacher. Nein. Also gebe ich irgendwelche Formeln im Taschenrechner ein, von denen ich denke, sie könnten richtig sein. Naja, das Resultat kann eigentlich nicht stimmen, da so 54 von 20 Leuten an ADHS leiden, aber ich lasse es trotzdem mal so stehen, weil auf ein anderes Ergebnis komme ich auch nach dem fünften Versuch nicht. Die nächste Aufgabe kann man meiner Meinung nach gar nicht lösen, da eine Angabe fehlt, aber mit einem Blick zum Pultnachbarn merke ich, dass es doch irgendwie möglich sein muss, die Aufgabe zu lösen. Ich versuche, die Lösung zu erspähen und schreibe dann irgendeine Rechnung hin, welche die gleiche Lösung ergibt. Vielleicht gibt es Teilpunkte, die ich so ergattern kann. Als wäre ich nicht schon genug unter Druck gesetzt kommt der Lehrer an meinem Pult vorbei und schaut auf mein Blatt. Ich versuche meine Antworten zu verdecken, damit er erst später sieht, wie dumm ich bin. Dann endlich, nach einer Stunde voller Verzweiflung, werden alle Testblätter eingesammelt. Der Lehrer erkundigt sich bei mir; «und? Ist es gut gelaufen?» «Nein mein guter Herr, noch nie ist ein Mathematiktest gut gelaufen und das weisst du ganz genau, aber spiel mir ruhig vor, dass du noch Hoffnung in mich hast», denke ich mir. Aber das sage ich lieber nicht, sondern lächle nur kurz und drehe mich weg.





















































