Text Marius Gränicher, Rektor
Bild Jan Mohn, 23gS
Das Wort Perspektive, welches uns in diesem JahrAus leitet, stammt – wie könnte es anders sein – aus dem Lateinischen: Perspicere bedeutet so viel wie «hindurchsehen» oder «durchblicken». – Nicht gerade das, was im Zusammenhang mit Corona im Schuljahr 2019/20 immer gelungen ist.
Immerhin: Die Kunst des Perspektiven-Wechsels hat uns geholfen, die sich stetig verändernden Corona-Massnahmen zu verstehen. So waren einige eindeutig epidemiologisch begründet, andere eher politisch motiviert und mal mehr mal weniger gesellschaftlich legitimiert und akzeptiert. Die Herausforderung für Verwaltung und Schulleitung bestand darin, die Massnahmen möglichst auch pädagogisch sinnvoll – oder mindestens vertretbar – umzusetzen (vgl. dazu auch den Beitrag unseres «Mister Corona», Prorektor Ruedi Perren, in diesem JahrAus). Wir sind froh, konnten wir dank der Massnahmen das letzte Schuljahr – mit Ausnahme einer Woche vor den Frühlingferien – ohne Fernunterricht bestreiten. Eine schöne Perspektive wäre es freilich, Corona im nächsten JahrAus nur noch eine Randglosse widmen zu müssen.
Unseren Lehrpersonen ist es zu verdanken, dass die Politik der Schulleitung – mit entsprechenden Schutz- und Vorsichtsmassnahmen möglichst viele besondere Schulmomente, wie Sporttage, Kulturveranstaltungen oder Sonderwochen durchzuführen – auch wirklich umgesetzt werden konnte. Es war beeindruckend, wie flexibel und mit welchem Engagement trotz organisatorischem Mehraufwand kreative Lösungen gefunden werden konnten. So wurde mit digitaler Unterstützung aus per Handy aufgenommenen Einzelstimmen ein ganzer «Selfie-Chor» (vgl. dazu den Beitrag mit Video in diesem JahrAus) oder eine Lesung von jungen Literatinnen wurde via Teams in die Haushaltungen von 350 (!) Schülerinnen und Schülern übertragen – inklusive anschliessender Fragerunde via Chat. Das Abschlusstheater «The Lobster» der 21gf-Klassen konnte wegen den Maskenpflicht- und Distanzvorgaben weder in ordentlichem Rahmen geprobt, noch vor Publikum aufgeführt werden. Aufgeben war für die Theatergruppe keine Perspektive – und so ist eine tolle filmische Collage aus Einzelszenen entstanden. Mehr dazu in diesem JahrAus.
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Perspektiven mit und nach Corona
Das Gymnasium Thun misst dem Thema Digitalisierung und Digitalität seit Jahren eine wichtige Bedeutung zu. Den Fernunterricht wünschen wir uns nicht zurück. Wir möchten aber die Erfahrungen aus dieser Zeit auch nicht einfach vergessen, sondern uns überlegen, was wir aus dieser Zeit in die «neue Normalität» überführen möchten. Es ist ohne Zweifel, dass uns der Wurf ins kalte Wasser des Fernunterrichts einen Schub im Bereich der Digitalisierung beschert hat, den auch eine breite Weiterbildungsoffensive nicht im selben Ausmass ermöglicht hätte. Seither ist die Arbeit mit Programmen wie OneNote oder Teams selbstverständlich geworden. Hier gilt es anzuknüpfen und den Schwung mitzunehmen in eine Schulentwicklung, bei der die Anwendung digitaler Mittel die analoge (Schul-)Welt selbstverständlich unterstützt.
Mittlerweilen sind alle unsere 56 Klassen, also rund 1200 Schülerinnen und Schüler, dank CYOD (choose your own device) mit einem eigenen Laptop im Unterricht unterwegs. Das Gerät wird in der Mehrheit der Unterrichtslektionen eingesetzt, die meisten Lehrmittel stehen digital zur Verfügung. Proben und vermehrt auch Abschluss- und Maturaprüfungen werden am Laptop geschrieben. Damit ändert sich zunehmend auch die Methodik und Didaktik des Unterrichts – weg von der theoretischen Wissensvermittlung hin zur praktischen Anwendung, zum Wissenstransfer und zur Kollaboration. Lesen Sie dazu auch die Beiträge zum kompetenzorientierten Unterricht, z.B. von Prorektor Niklaus Schefer.
Die technische Digitalisierung in der Schule mit W-LAN, CYOD und Software wie Teams oder OneNote entwickelt sich hin zur pädagogischen Digitalität in der Schule mit alternativen Formen der Wissensvermittlung und der Wissensverarbeitung. Im Zentrum bleibt aber auch an einer digitalisierten Schule die Beziehungsarbeit zwischen Schülerin und Schüler und den Lehrpersonen. Spannende Perspektiven für einen Unterricht der Zukunft!
Perspektiven einer neuen Ausbildung
Braucht es in Zukunft eine höhere Mittelschulquote? Darf man Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit einer Drei in Mathematik oder mit ungenügenden Deutschkenntnissen ein Maturazeugnis abgeben? Bräuchte es in Zeiten, in denen das staatspolitische Wissen der Jugendlichen (scheinbar) auf einem Tiefpunkt, der Populismus auf dem Vormarsch und der Klimawandel eine der grössten globalen Herausforderungen ist, nicht zwingend neu zum Beispiel ein Schwerpunktfach Geschichte/Geografie? Bereitet die gymnasiale Ausbildung überhaupt ausreichend auf Fähigkeiten und Fertigkeiten im fachlichen und überfachlichen Bereich vor, die an den Hochschulen und im späteren Berufsleben in Zukunft notwendig sind? Diese Fragen leiten die aktuellen Bestrebungen, das Maturitätsreglement und den eidgenössischen Rahmenlehrplan zu überarbeiten und damit einerseits die gymnasiale Ausbildung in den einzelnen Kantonen stärker zu harmonisieren und andererseits auf das «Wissen und die Fertigkeiten der Zukunft» auszurichten. Sowohl die Lehrpersonen als auch die Schulleitung unseres Gymnasiums sind an den aktuellen Überlegungen und Arbeiten beteiligt. Informationen zu diesem spannenden eidgenössischen Projekt finden Sie auf www.matu2023.ch
Unsere Schülerinnen und Schüler der Fachmittelschule wiederum haben dank einer umfassenden kantonalen Revision des FMS-Bildungsgangs neue, interessante Perspektiven. Dank der neu konzipierten Ausbildung sind sie in Zukunft noch besser auf die Anforderungen in den Berufsfeldern Gesundheit, Pädagogik und Soziale Arbeit vorbereitet. Lesen Sie dazu den Beitrag von Rafaela Salzmann, Leiterin der FMS an unserer Schule.
Neuer Wein in neuen Schläuchen – oder moderner Unterricht in modernen Räumen
Interessante Perspektiven bieten auch die geplanten Aus- und Neubauten am Standort Schadau. Sowohl beim Neubau der Doppelsporthalle mit Räumlichkeiten für das Bildnerische Gestalten als auch beim Aus- und Neubau Schadau sind die Vorprojektphasen abgeschlossen. Die Arbeiten sind damit auf Kurs und Vollendung und Bezug der Räumlichkeiten auf 2024, respektive 2026, realistisch. Einblick in den Stand der Arbeiten erhalten Sie auf unserer Website unter «Erweiterungsbauten».
Ging es bisher in erster Linie um die Struktur der Bauten und die Zuteilung der Flächen auf die einzelnen Nutzungen, so treten bei der Planung nun zunehmend Fragen im Zusammenhang mit einem modernen, zukunftsorientierten Unterricht in den Vordergrund: Welche Anforderungen sind an Infrastruktur und Mobiliar zu stellen? – Braucht es mehr Gruppenarbeitsräume? Wie flexibel sollen die Raumaufteilungen sein (braucht es mobile Faltwände)? Haben Wandtafeln definitiv ausgedient und benötigen wir an ihrer Stelle Beamer oder grosse Bildschirme? Eine Schule erhält in der Regel nur alle paar Generationen die Möglichkeit, zusammen mit Planern, Architektinnen und Baufachleuten bei der Gestaltung von Schulraum mitzuwirken. Es gilt also unter den gegebenen Rahmenbedingungen ge-meinsam ein Optimum für die zukünftige Schule zu erreichen. Das Titelbild dieses Editorials zeigt, dass auch die Schülerinnen und Schüler in den Prozess eingebunden sind und sich zum Beispiel mittels einer Architektur-Collage mit der Gestalt der neuen Schule auseinandersetzen.
Auch wenn die Konzentration der Ausbildung ab 2026 auf einen Standort viele Herausforderungen mit sich bringt und der Platz am Standort Schadau trotz Neu- und Ausbau limitiert ist, ergeben sich doch beim Schulraum interessante Perspektiven für unsere Schule.
Aus meiner Perspektive das Wichtigste: die Menschen an unserer Schule
Schulraum, der einen modernen Unterricht ermöglicht und Lerninhalte, welche sich auf die Bedürfnisse der abnehmenden Institutionen und v.a. der Gesellschaft abstützen, sind essentiell. Am wichtigsten aber sind die Menschen an unserer Schule: Lehrpersonen, die solche Inhalte mit einem modernen methodisch-didaktischen Ansatz, mit Unterstützung digitaler Mittel und vor allem mit Empathie zu vermitteln wissen; Mitarbeitende, welche den Betrieb einer grossen Schule wie der unseren unterstützen, und Schülerinnen und Schüler, welche sich für eine Ausbildung an der Fachmittelschule oder am Gymnasium entschieden haben. Ihr Wohlergehen, ihre Lernfortschritte und Ziele und unsere Überzeugung, gemeinsam die geforderten Bildungsziele erreichen zu können, sind unsere Motivation.
Die verschiedenen Beiträge aus unterschiedlichen Fachbereichen geben aus vielfältigen Perspektiven einen Einblick in den Schulalltag im Schuljahr 2019/20 und in die gemeinsame Arbeit von Schülerinnen, Schülern, Lehrpersonen, Mitarbeitenden und der Schulleitung.
Ich wünsche Ihnen einen tollen Einblick und viel Vergnügen beim Lesen. Sie werden unsere Schule bestimmt auch aus neuen Perspektiven kennen lernen.






















































