Editorial

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Ordnung in die Schweizer Geschichte bringen


Ordnung in die Schweizer Geschichte bringen


Im Rahmen einer schriftlichen Prüfung im Fach Geschichte haben Schüler*innen der Klasse 22gS Infotafeln zu Karikaturen verfasst. Das Beispiel ermöglicht einen Einblick in eine kompetenzorientierte Prüfungsform.

 

Text Elena Grundisch, 22gS

Abbildungen David Hess

 

Eine turbulente Zeit war’s – zwischen dem Untergang der Alten Eidgenossenschaft und der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates. Dementsprechend ist es anspruchsvoll, den Überblick über die Zeit zwischen den Jahren 1798 und 1848 zu behalten! Dies ist hier in einer Geschichtsprüfung sehr gut gelungen und die Autorin gibt den Lesenden mithilfe dreier zeitgenössischer Darstellungen einen knappen, aber übersichtlichen und gehaltvollen Einblick in die Epoche der Helvetischen Republik (1798 – 1803), der Mediationszeit (1803 – 1813) und der Zeit der sogenannten Regeneration (1830 – 1848) bis zur Gründung des liberalen Bundesstaates (die konservative Ära zwischen 1815 und 1830 wird «Restauration» genannt). Alle Bilder sind von David Hess (1770 – 1843), einem Dichter und Karikaturisten, der die erlebten Entwicklungen und Umbrüche kritisch begleitete. Gottfried Keller, dessen Standpunkt gänzlich entgegengesetzt war, nannte Hess angeblich einen «geistreichen Dilettanten». Dilettantisch waren die Karikaturen keineswegs und es lohnt sich sehr, David Hess’ konservative Darstellungen sorgfältig anzuschauen (zum Beispiel so, als wäre man in einer Ausstellung), mit kritischen Blick zu lesen und dann richtig einzuordnen (es ist übrigens gar nicht so leicht, dem Zeichner nicht auf den Leim zu gehen!) So hat Elena Grundisch, wie viele andere aus der Klasse 22gS auch, die Aufgabe, «Museumsinfotafeln» zu den Bildern zu verfassen und damit den Betrachtern einen ersten Zugang zu den geschichtlichen Bildquellen zu ermöglichen, sehr gut gelöst und eine sehr schöne Einführung geschrieben – und das übrigens in recht kurzer Prüfungszeit! (Ivo Haag, Lehrperson für Geschichte) 

 

David Hess ist heutzutage hauptsächlich für seine politisch motivierten Zeichnungen zur Zeit der Französischen Revolution bis zu Regeneration bekannt. Als überzeugter Föderalist, der in einer wohlhabenden Züricher Familie aufgewachsen war und die Schrecken der Revolution am eigenen Körper erfahren hatte, tat er mit seinen Bildern seinen Unmut über die Revolution kund. Im Folgenden werden drei seiner Zeichnungen in chronologischer Reihenfolge beschrieben. 


Mehr lesen…

 

Die fehlende Legitimität der Helvetischen Republik (vgl. Abb.1) 

Als Napoleon 1798 in die Schweiz einmarschiert, dauert es nicht lange, bis die zuvor herrschenden aristokratischen Familien kapitulieren und er aus der Schweiz einen Zentralstaat nach französischem Vorbild macht. Er wird unterstützt von den Unitariern und den Liberalen, doch schon bald muss an der Legitimität der neuen Ordnung gezweifelt werden. Kämpfe werden auf Schweizer Boden gefochten, Soldaten quartieren sich ein, es kommt zu Plünderung, Zerstörung und Vergewaltigung. Die Revolution wird von vielen als Schrecken, als Teufel angesehen. 

 

Die politische Schaukel (vgl. Abb.2) 

Des Weiteren herrscht zwischen 1798 und 1803 politische Instabilität, da sich Föderalisten und Unitarier gegenüberstehen. Dieser Konflikt eskaliert nach Napoleons Rückzug beispielsweise im Stecklikrieg. Das wiederum geht Napoleon gegen den Strich, der sich darauf als Mediator (Vermittler) wieder in das Geschehen einschaltet und die politische Ruhe und Ausgewogenheit in der Schweiz durch Kompromisse wieder herzustellen versucht. Er gibt den Föderalisten mehr Unabhängigkeit der Kantone; die Unitarier dürfen, immerhin auf dem Papier, ihre Individualrechte behalten. Die Schweiz soll sich ruhig verhalten, ist Napoleons Devise, und nur so hat er über den Simplonpass im Wallis Zugang zu Mailand in Norditalien. 

 

Der Geist unserer Zeit (vgl. Abb.3)  

Hess’ dritte Zeichnung lässt sich den Jahren 1830/31 zuordnen. Nach der Restauration kommt es zu Landtagen, bei denen die Liberalen einmal mehr ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Nach und nach kommt es in der Schweiz zur Regeneration: die Kantone werden liberal. In seinem Bild stellt der Teufel einen Träger des liberalen Gedankenguts dar, der für die Grundsätze wie Pressefreiheit, Glück und Toleranz wirbt und dabei die Religion mit Füssen tritt. Versehen sind die Plakate mit Hess’ konservativer, föderalistischer Auffassung und Sicht auf den Liberalismus. (Elena Grundisch, 22gS) 

 

 

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Ordnung in die Schweizer Geschichte bringen


Im Rahmen einer schriftlichen Prüfung im Fach Geschichte haben Schüler*innen der Klasse 22gS Infotafeln zu Karikaturen verfasst. Das Beispiel ermöglicht einen Einblick in eine kompetenzorientierte Prüfungsform.

 

Text Elena Grundisch, 22gS

Abbildungen David Hess

 

Eine turbulente Zeit war’s – zwischen dem Untergang der Alten Eidgenossenschaft und der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates. Dementsprechend ist es anspruchsvoll, den Überblick über die Zeit zwischen den Jahren 1798 und 1848 zu behalten! Dies ist hier in einer Geschichtsprüfung sehr gut gelungen und die Autorin gibt den Lesenden mithilfe dreier zeitgenössischer Darstellungen einen knappen, aber übersichtlichen und gehaltvollen Einblick in die Epoche der Helvetischen Republik (1798 – 1803), der Mediationszeit (1803 – 1813) und der Zeit der sogenannten Regeneration (1830 – 1848) bis zur Gründung des liberalen Bundesstaates (die konservative Ära zwischen 1815 und 1830 wird «Restauration» genannt). Alle Bilder sind von David Hess (1770 – 1843), einem Dichter und Karikaturisten, der die erlebten Entwicklungen und Umbrüche kritisch begleitete. Gottfried Keller, dessen Standpunkt gänzlich entgegengesetzt war, nannte Hess angeblich einen «geistreichen Dilettanten». Dilettantisch waren die Karikaturen keineswegs und es lohnt sich sehr, David Hess’ konservative Darstellungen sorgfältig anzuschauen (zum Beispiel so, als wäre man in einer Ausstellung), mit kritischen Blick zu lesen und dann richtig einzuordnen (es ist übrigens gar nicht so leicht, dem Zeichner nicht auf den Leim zu gehen!) So hat Elena Grundisch, wie viele andere aus der Klasse 22gS auch, die Aufgabe, «Museumsinfotafeln» zu den Bildern zu verfassen und damit den Betrachtern einen ersten Zugang zu den geschichtlichen Bildquellen zu ermöglichen, sehr gut gelöst und eine sehr schöne Einführung geschrieben – und das übrigens in recht kurzer Prüfungszeit! (Ivo Haag, Lehrperson für Geschichte) 

 

David Hess ist heutzutage hauptsächlich für seine politisch motivierten Zeichnungen zur Zeit der Französischen Revolution bis zu Regeneration bekannt. Als überzeugter Föderalist, der in einer wohlhabenden Züricher Familie aufgewachsen war und die Schrecken der Revolution am eigenen Körper erfahren hatte, tat er mit seinen Bildern seinen Unmut über die Revolution kund. Im Folgenden werden drei seiner Zeichnungen in chronologischer Reihenfolge beschrieben. 


Mehr lesen…

 

Die fehlende Legitimität der Helvetischen Republik (vgl. Abb.1) 

Als Napoleon 1798 in die Schweiz einmarschiert, dauert es nicht lange, bis die zuvor herrschenden aristokratischen Familien kapitulieren und er aus der Schweiz einen Zentralstaat nach französischem Vorbild macht. Er wird unterstützt von den Unitariern und den Liberalen, doch schon bald muss an der Legitimität der neuen Ordnung gezweifelt werden. Kämpfe werden auf Schweizer Boden gefochten, Soldaten quartieren sich ein, es kommt zu Plünderung, Zerstörung und Vergewaltigung. Die Revolution wird von vielen als Schrecken, als Teufel angesehen. 

 

Die politische Schaukel (vgl. Abb.2) 

Des Weiteren herrscht zwischen 1798 und 1803 politische Instabilität, da sich Föderalisten und Unitarier gegenüberstehen. Dieser Konflikt eskaliert nach Napoleons Rückzug beispielsweise im Stecklikrieg. Das wiederum geht Napoleon gegen den Strich, der sich darauf als Mediator (Vermittler) wieder in das Geschehen einschaltet und die politische Ruhe und Ausgewogenheit in der Schweiz durch Kompromisse wieder herzustellen versucht. Er gibt den Föderalisten mehr Unabhängigkeit der Kantone; die Unitarier dürfen, immerhin auf dem Papier, ihre Individualrechte behalten. Die Schweiz soll sich ruhig verhalten, ist Napoleons Devise, und nur so hat er über den Simplonpass im Wallis Zugang zu Mailand in Norditalien. 

 

Der Geist unserer Zeit (vgl. Abb.3)  

Hess’ dritte Zeichnung lässt sich den Jahren 1830/31 zuordnen. Nach der Restauration kommt es zu Landtagen, bei denen die Liberalen einmal mehr ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Nach und nach kommt es in der Schweiz zur Regeneration: die Kantone werden liberal. In seinem Bild stellt der Teufel einen Träger des liberalen Gedankenguts dar, der für die Grundsätze wie Pressefreiheit, Glück und Toleranz wirbt und dabei die Religion mit Füssen tritt. Versehen sind die Plakate mit Hess’ konservativer, föderalistischer Auffassung und Sicht auf den Liberalismus. (Elena Grundisch, 22gS) 

 

 

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