Wie soll in Zeiten von Corona ein Politikpodium für den ganzen obersten Jahrgang veranstaltet werden? Vor dieser Herausforderung standen die Schülerinnen und Schüler des Freifachs «Politik» im Herbst 2020.
Text und Grafiken Emanuel Maurer
Zuerst galt es, ein Thema finden: Schnell wurde man sich in der Gruppe einig, dass es auch neben der Pandemie relevante aktuelle Themen zu diskutieren gilt. Gewählt wurde die Abstimmungsvorlage über die sogenannte «Konzernverantwortungsinitiative».
Danach mussten Gäste gefunden und eingeladen werden: Politiker*innen mit einem regionalen Bezug, ausgewogen, was die verschiedenen Positionen, die Parteienlandschaft, das Alter und das Geschlecht anbelangt. Nicht ganz, aber weitgehend konnten die hohen Anforderungen eingehalten werden: Ein illustres Quartett stellte sich für die Debatte zur Verfügung: Für die Initiative traten Andrea de Meuron (Grüne) und Marc Jost (EVP) auf, dagegen argumentierten Carlos Reinhard (FDP) und Valentin Borter (SVP).
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Anschliessend ging es darum, sich mit der Abstimmungsvorlage auseinandersetzen: Um was geht es genau? Was sind die Hauptargumente, was die Schlüsselthemen der Vorlage?
Auch die Moderation galt es zu planen: Was ist die Rolle der Moderation? Wie soll die Debatte strukturiert werden? Was für Fragen müssen unbedingt zur Sprache kommen? Wer übernimmt welchen Teil der Moderation?
Auch die Corona-Massnahmen gaben zu reden: Bis kurz vor dem Anlass war unklar, wie viele Klassen live vor Ort in der Aula der Wirtschaftsschule anwesend sein dürfen. Zwei Klassen durften sich schliesslich auf den Rängen des Saals verteilen. Die Übertragung der Debatte in die Schulzimmer war frühzeitig als Alternative für die restlichen Klassen geplant. Unter der Regie von Urs Schärer erfolgte die technische Umsetzung. Kurz vor Beginn der Debatte klappte die Leitung und es konnte los gehen!
Die Aufgabe der Moderierenden war, das Publikum zu begrüssen, die Abstimmungsvorlage vorzustellen, durch die Diskussion zu leiten und Publikumsfragen zu sammeln. Trotz der guten Planung war Flexibilität gefragt. Die Politiker*innen genossen sichtlich die Möglichkeit, wieder einmal vor Publikum zu debattieren und ihre Botschaften zu platzieren. Es war für die Lernenden eine Herausforderung, sie zuweilen wieder an die vorgesehene Struktur der Diskussion zu führen, gezielte Fragen zu stellen oder nachzuhaken, wenn etwas unklar blieb.
Fazit: Der Aufwand hat sich gelohnt. Eine interessante Debatte zu einem komplexen Thema zeigte die einzelnen politischen Positionen klar auf. Ist auch das Ziel erreicht worden, Schüler*innen für Politik zu interessieren, eine Hilfestellung für ihre Meinungsbildung zu leisten und sie zur aktiven Teilnahme an Abstimmungen zu bewegen? Ein Hinweis auf einen möglichen positiven Effekt ergibt sich aus den am Anfang und am Schluss der Debatte durchgeführten Umfragen (vgl. Abb. 2/3).
Die Ergebnisse zeigen, dass sich vor der Debatte rund ein Drittel der G4-Schülerinnen und Schüler noch keine Meinung zur Vorlage gebildet hatten. Am Schluss des Anlasses verminderte sich diese Gruppe von 85 auf 32. Interessant erscheint auch die Anzahl derjenigen (32), welche die Meinung aufgrund der Diskussion geändert haben. Offen bleibt, ob der beträchtliche Zuwachs der Nein-Stimmen zur Initiative aufgrund des überzeugten Auftritts der Gegner während der Debatte zustande kam oder ob dies, wie bei vielen Initiativen, allein durch die konkretere Auseinandersetzung mit der Thematik und der möglichen Umsetzung der Initiative erfolgt ist.
Klar bleibt, dass die politische Bildung am Gymnasium Thun weiterhin ein wichtiger Stellenwert einnimmt, sei dies mit dem Forcieren von «Jugend debattiert», im Einbinden von politischen Themen in ganz verschiedenen Fächern oder mit der Organisation von Politikpodien – das nächste Mal hoffentlich wieder vor vollen Rängen.





















































